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Aus Not wird Tugend!

Der Veranstalter aus dem Nachbarort hatte mich für einen Auftritt engagiert, doch nicht plakatiert. Aufgrund meiner Tätigkeit als Kulturreferent in der Stadt Garching b. München empfand ich das als Skandal, es war eine Frechheit! Erst drängte er die Künstler Plakate zu gestalten, zu drucken und pünktlich zu liefern – und jetzt, eine Woche vor dem Auftritt, ist immer noch nicht plakatiert? Ich besuchte also den Veranstalter, ein Wort gab das andere und dann schlug ich ironisch vor, halb im Scherz, halb im Ernst, dass wir den Termin auch verlegen könnten – und zwar so, dass wir ihn nicht mehr finden…

Nun, der Veranstalter verstand den Witz nicht und schon am nächsten Tag konnte ich der örtlichen Presse entnehmen, dass ich abgesagt hätte: “…weil ich mit den Proben nicht fertig werde…”. Jetzt kochte ich über und ließ meinem Ärger in Telefonaten mit Freunden freien Lauf.

Mein Freund Attila meinte trocken: „Wenn Du es besser kannst, warum machst du es dann nicht selber?“ Gesagt, getan, denn das Konzept trug ich ja bereits jahrelang mit mir herum….

Jetzt war die Zeit reif: Ich kontaktierte kurzerhand befreundete Künstlerkollegen, mietete das Vereineheim in Icking und schon am selben Tag stand der Spielplan. Plakate und Flyer waren schnell entworfen und ich lag im Zeitplan. Zum Christkindlmarkt 2004 im Vereineheim hatte ich kurzfristig einen Stand reserviert – dort hätte ich das IckingAboDorfen präsentiert. Doch da erkrankte Toni Berger – der “Boandlkramer” aus dem “Brandner Kaspar” un der sollte Ludwig Thoma lesen…

Glücklicherweise sprangen gleich „Die Wellküren“ ein. Doch das ganze Projekt hatte sich durch den Krankheitsfall verzögert und da viel mir auch noch auf: Wir haben ja gar kein Logo! Also nahm ich Bleistift und Filzstifte und skizzierte einen ersten Entwurf, der auch gleich Verwendung fand. Sonst hätten wir die Handzettel nicht pünktlich drucken können – denn am Abend war ja schon der Christkindlmarkt…

Mein Auftritt als Schwarzmarkt-Händler auf dem Dorfner Christkindlmarkt war ein voller Erfolg. Innerhalb von zwei Tagen war das Abo quasi ausverkauft und bald musste ich ein zweites Abo auflegen. Die Ickinger Christkindl-Markthändler waren ziemlich sauer auf mich, weil das Publikum ihr ganzes Geld bei mir gelassen hatte. So erfolgreich war der „Walking-Act“ als Schwarzmarkthändler, der die Eintrittskarten „unter der Hand“ verkauft hatte.

So wurde aus Not Tugend: Der Veranstalter aus Geretsried – und andere – hatten mich ,„gezwungen“ mich selbst zu organisieren – jetzt gab es ein neues Theater – direkt vor seiner Haustür. Dort spielte ich mein Programm mit Liebesgedichten und Cello-Gegleitung: „Einfach so….“. Großer Erfolg! Das Programm – und das neue Theater…

Alles hat sein Gutes, nichts fällt nur auf eine Seite: Es gibt kein abwärts – wir nehmen nur Anlauf, für bergauf…

Im Andenken an Jörg Hube

Großartiger Mensch, herausragender Schauspieler, Kabarettist.

Sein „Herzkasperl“ eröffnete die ersten Aboreihen in Icking, Bad Tölz, Starnberg und Aying. Viele weitere Gastspiele folgten. Unvergessen „Sugardaddy“ mit seiner Lebensgefährtin Beatrix Doderer. Seinen Auftritten zum Auftakt der ersten Aboreihen ist die Publikums-Akzeptanz von BrotZeit & Spiele zu verdanken. Ja, Jörg Hube ist der Grund für den Erfolg der ersten Aboreihen.

Alles begann 2004 im Vereineheim Dorfen/Icking. Das Haus hatte noch keine Theaterscheinwerfer, also besorgten wir diese leihweise. Natürlich flogen gleich die Sicherungen, das Publikum saß im Dunkeln. Jörg Hube aber hatte, in weiser Vorraussicht, wohl damit gerechnet! Er griff in die Tasche, entzündete eine Kerze und spielte weiter. Er ließ sich nichts anmerken und tat so, als gehöre die Kerze zum Stück. Das Publikum bemerkte nichts. Er rettete nicht nur die Vorstellung, sondern die gesamte Aboreihe…

Kurz darauf nahm der Bürgermeister von Bad Tölz Kontakt mit mir auf – der Erfolg nahm seinen Lauf: Heute bespielen wir mit zwölf Aboreihen elf Städte und Gemeinden.

Ohne Jörg Hube würde es BrotZeit & Spiele nicht geben. Seine Menschlichkeit und sein Können haben mich geprägt.

In Dankbarkeit

Wolfgang Ramadan

 

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